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Südafrika: Interkulturalität im Austausch
Geschrieben von: Andreas Weiß   
Montag, den 15. August 2011 um 14:48 Uhr
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Im Rahmen der Artikelserie zur Politischen Bildung im internationalen Kontext wird an dieser Stelle Südafrika thematisiert.SA_teaser

5. Beitrag der Reihe: Wie das Engagement der Pädagogischen Hochschule Weingarten in Südafrika ein Blockpraktikum anzubieten die Interkulturalität fördert und warum gerade diese gegenseitige Perspektivenübernahme für politische Bildung wichtig ist. Die Ausführungen von Ingo Juchler über die Herausforderungen, die kulturelle Differenzen an die politische Bildung stellen, werfen ein neues Licht auf die Bedeutung von internationaler Einsatzbereitschaft.

Interkulturalität als Anspruch politischer Bildung

In einer globalisierten Welt treffen notwendigerweise Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinander. Hier spielen nicht nur die ethnische Zugehörigkeit, sondern auch Religion, Sprache und soziales Verhalten eine Rolle. Die Tatsache, dass diese Differenzen geschichtlich immer wieder zu Konflikten geführt haben, lässt auf einen Vermittlungsbedarf schließen, den – unter anderem - die politische Bildung erfüllen kann. Schließlich findet die Konfrontation mit anderen Kulturen in einem größer werdenden Umfang statt und betrifft somit den Alltag der aufwachsenden und kommenden Generationen immer mehr. Sich in diesem Kontext bewegen zu können erfordert interkulturelle Kompetenz, welche auf der einen Seite durch Empathie, der Fähigkeit sich in Personen, die sich in diesem Fall kulturell unterscheiden, hineinzuversetzen und deren Weltsicht verstehen zu können, befähigt wird. Auf der anderen Seite erfordert interkulturelle Kompetenz jedoch mehr: Nämlich die Fähigkeit, ein abweichendes Verständnis der Welt in all ihren Dimensionen nicht nur als gültig anzuerkennen, sondern mit eigenen Anschauungen vergleichend zu betrachten und darüber hinaus in der individuellen Meinungsbildung zu berücksichtigen und einzubeziehen. Eine Vermittlung solcher Kompetenzen trägt so dazu bei, Vorurteile und vereinfachte Weltbilder abzubauen und eine tolerante Weltsicht zu fördern.

Südafrika und Weingarten: Interkulturalität als Qualifikation

Südafrika birgt bedingt durch die herrschaftlichen Zerwürfnisse in der Vergangenheit eine Vielzahl kultureller Differenzen, welche sich nicht nur durch die Abweichung zur mitteleuropäischen Kultur, sondern auch innerhalb des Landes wiederspiegelt. Das Land wurde von den Niederlanden, teilweise auch von Großbritannien kolonialisiert und somit vom 17. Jahrhundert bis zum Ende der Apartheid 1994 fremdbeherrscht. Diese Zeit war von Konflikten entlang ethnischer Konfliktlinien geprägt.

Die Pädagogische Hochschule Weingarten eröffnet ihren Studentinnen und Studenten die Möglichkeit, ein Praktikum in Schulen Südafrikas zu verwirklichen. Dem tatsächlich praktischen Teil als Lehrkräfte in Farmschulen geht die theoretische Vorbereitung voraus, durch welche die Gegebenheiten im Land vermittelt werden. Dieses Fachwissen über die Umstände in Südafrika bildet die Grundlage, auf welcher schließlich durch die Lehrtätigkeit in unteren Klassenstufen aufgebaut wird. Im Unterricht schaffen sich die Praktikanten ebenso ein reales Bild der südafrikanischen Gesellschaft wie außerhalb des Klassenzimmers. Die Orientierung jenseits der Schulstunden im Alltag erfordert Fähigkeiten im Umgang mit fremder Kultur – interkulturelle Kompetenz, die zwar einerseits in gewissem Maße Voraussetzung für ein derartiges Praktikum bildet, gleichzeitig aber auch durch den Aufenthalt gefördert wird. Den Studentinnen und Studenten ist das Engagement hoch anzurechnen, da hierbei einerseits eine besondere Qualifikation hinsichtlich der Vermittlung politischer Bildung geschaffen wird und darüber hinaus der individuelle Aufenthalt und Versorgung finanziell von den Studenten selbst getragen wird. Sie leisten hierbei von sich aus einen Beitrag zur Verständigung zwischen den Kulturen, der in einem globalisierten Zeitalter nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Quelle:

Juchler, Ingo: Interkulturalität als Herausforderung an die politische Bildung: theoretische Grundlagen und ein Beispiel aus der Praxis in Südafrika, in: Overwien / Rathenow: Globalisierung fordert politische Bildung. Politisches Lernen im globalen Kontext, Barbara Budrich Verlag, 2009

Weiterführende Links:

Praktikum in Südafrika auf den Seiten der PH Weingarten mit Fotos.

Arbeiten von Studenten: Unterrichtsentwürfe u.a. zu Südafrika und der Apartheid

 
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