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Der Nahost-Konflikt – Geschichte und Gegenwart RLFB Schwaben in Kooperation mit dem Institut für Eu
Geschrieben von: Fritz Multrus   
Freitag, den 09. Juli 2010 um 14:24 Uhr
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Fast keine Woche vergeht, ohne dass der Nahostkonflikt in den Schlagzeilen und den Spitzenmeldungen im Fernsehen auftaucht. Auch ist er mittlerweile im Lehrplan der neuen Oberstufe des Gymnasiums präsent. Gründe genug, um eine Lehrerfortbildung zum Thema zu veranstalten. Fast 60 Teilnehmer zeigen, dass das Interesse bei Geschichts- und Sozialkundelehrern sehr groß ist.

Um die gewinnbringende Kooperation der RLFB Schwaben mit der Universität Augsburg fortzusetzen, konnten zwei Augsburger Hochschullehrer als Referenten gewonnen werden: Prof. Dr. Wolfgang E.J. Weber, Direktor des „Instituts für Europäische Kulturgeschichte“, und PD Dr. Peter Muench-Heubner, Lehrbeauftragter für außereuropäische Geschichte.

Prof. Weber konzentrierte sich in seinem ungemein faktenreichen und differenzierten Vortrag „Der Nahostkonflikt: Entstehung und Geschichte bis 1995“ auf die Rolle des Zionismus und die wechselvolle Geschichte eines Landstrichs namens Palästina mit seinen wechselnden Herrschern. Ausführlich wurden die Einwanderungswellen und die Migration in Palästina dargestellt. Die Gründung des Staates Israel und der Sechs-Tage-Krieg stellen wichtige Einschnitte der Geschichte dar und prägen die Strukturen des Konflikts. Der Referent zeigte das Auf und Ab der verschiedenen Friedensbemühungen und das Scheitern der Versuche. Ein eher pessimistisches Resümee über Friedenschancen stand am Schluss der Ausführungen.

„Unterrichtsmaterialien & Filme“ zum Nahostkonflikt waren der Gegenstand einer kurzen Präsentation von Fritz Multrus, Fachreferent für Sozialkunde beim Ministerialbeauftragten. Aktuelle Fachliteratur, die sich zur Unterrichtsvorbereitung eignet, sowie zwei sehr unterschiedliche Filme standen im Vordergrund. „Waltz with Bashir“ ( Ari Folman, Israel 2008) und „Atash (Durst)“ des palästinensischen Filmemachers Tawik Abu Wael (Israel 2004) können unterschiedliche Sichtweisen vermitteln. Während der Antikriegsfilm von Ari Folman die Erinnerungen eines jungen israelischen Soldaten im ersten Libanonkrieg berührend als ‚animierte Dokumentation’ darstellt, bietet der Film „Atash“ einen Einblick in die archaischen und patriarchalischen Familienstrukturen der Palästinenser, die wenig Hoffnung auf Änderung machen.

Am Nachmittag thematisierte Dr. Muench-Heubner den aktuellen Stand und die Aussichten des Nahostkonflikts. Im Mittelpunkt jeglicher Bemühungen um eine friedliche Lösung stehen die vier Kernfragen: Die Grenzziehung, der Status von Jerusalem, das Rückkehrrecht der Flüchtlinge und der Siedlungsbau der Israelis. Diese eigentlich unlösbaren Probleme haben in den letzten Jahrzehnten jegliche Friedensinitiativen zum Scheitern verurteilt, wie der Referent detailliert aufzeigte. Auch seine Bewertung über die weiteren Chancen einer Konfliktlösung war eher ernüchternd.

In der Diskussion ging es auch um die Chance für einen Palästinenserstaat. Hier hob besonders Prof. Weber hervor, dass diese Chance durch die Siedlungen und die ungeschickte Politik der Palästinenser schon längst verspielt sei. Immer wurden die Schwierigkeiten der didaktischen Umsetzung hervorgehoben. Die Thematik sprengt die Fächereinteilung, weil nicht nur historische und politische, sondern ebenso geographische, religiöse, ethische und demographische Aspekte behandelt werden müssen. Auch wurde mehrfach die Befürchtung geäußert, dass die Komplexität des Konflikts nicht beherrschbar und in der begrenzten Stundenzahl kaum darstellbar sei. Am Schluss hob Prof. Weber vier Essentials für den Unterricht hervor: Bevölkerungsbewegungen seien historisch immer mit großen Problemen verbunden, gerade der europäische Nationalismus habe das Problem der Inklusion und Exklusion, das jetzt im Nahen Osten im Mittelpunkt stehe, hervorgebracht, die externen und internen Akteure müssten aufgezeigt werden und die religiöse Aufladung von Konflikten erschwere eine Konfliktlösung ungemein.

Sicherlich kann eine eintägige Lehrerfortbildung nicht alle Fragen klären, aber zumindest einen Anstoß und die Motivation geben, sich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen.

 
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