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Planspiele in der politischen Bildung erfreuen sich zwar grundsätzlicher
Beliebtheit und sind methodisch allgemein akzeptiert und wertgeschätzt,
trotzdem gibt es aber insbesondere im Kontext schulischer politischer
Bildung Faktoren, die ihren häufigeren Einsatz verhindern. Dazu gehören
sicher der gefühlt höhere Aufwand im Vergleich zum Regelunterricht sowie
zeitliche und methodische Unsicherheiten und Unkalkulierbarkeiten.
Vorgefertigte Materialien erweisen hier ihren Nutzen, indem sie helfen,
solche Hindernisse abzubauen da sie Schritt für Schritt konkrete
Orientierungs- und Durchführungshilfen anbieten - das gilt umso mehr, je
stärker diese Materialien bereits praxiserprobt sind. Das Planspiel
"Der Generationenvetrag auf dem Prüfstand" der Autoren Ulrich Dickmann,
Christoph Weishaupt und Helge Wuldsorf entspricht diesen Kriterien. Es
wurde sowohl in der schulischen als auch in der außerschulischen
politischen Bildung eingesetzt und entstammt der Feder dreier Autoren,
die unterschiedliche Handlungs- und Erfahrungskontexte einbringen.
Warum dieses Thema?
Angesichts der aktuellen Problemlage, die sich aus der demografischen
Entwicklung, der Krise der sozialen Sicherungssysteme und den drängenden
ökologischen Fragen ergibt, möchten die Autoren den (ungeschriebenen)
Vertrag zwischen den Generationen, der den deutschen Sozialstaat bisher
geprägt hat, auf den Prüfstand heben. Dies tun sie unter dem Eindruck
besonderer Dringlichkeit, denn ihre These lautet: "Die Generationenfrage
ist, so lässt sich die derzeitige Gesellschaftssituation auf den Punkt
bringen, eines der Zukunftsthemen schlechthin. Sie wird die Politik des
21. Jahrhunderts wesentlich bestimmen und Auslöser gesellschaftlicher
Modernisierungsprozesse sein". Das Planspiel "Der Generationenvertrag
auf dem Prüfstand", möchte mit ebensolcher Dringlichkeit die Dynamik des
gesellschaftlichen Gestaltungsprozesses um das Verhältnis der
Generationen zueinander erlebbar machen, und zur eigenen Positionierung
auf Seiten der Teilnehmer führen.
Dabei wird auch die Gültigkeit des Generationenvertrags selbst offen zur
Diskussion gestellt. Pointiert wird hinterfragt: "Ist der von Vielen
immer noch als selbstverständlich vorausgesetzte Generationenvertrag
nicht längst btüchig und zum Spielball politischer Machtinteressen
geworden?"
Die Methode "Planspiel"
Die Autoren widmen dem "Planspiel" als Methode der Bildungsarbeit ein
eigenes kurzes Kapitel, indem sie die wesentlichen Charakteristika und
Vorteile eines Planspiels erläutern. Sie betrachten Planspiele als
"vereinachte Modelle der Wirklichkeit", die auf der einen Seite die
Kompelxität eines Themas im Blick auf seine gesellschaftliche Dynamik
reduzieren, dabei aber immer noch vielschichtig genug sind und ein hohes
Maß an Diversität aufweisen. Planspiele erweisen sich daher als
"realitätsnahe Simulationen", die durch ihren Experimentalcharakter und
die potentiell hohe emotionale Eingebundenheit der Teilnehmer
vielfältige Lernchancen eröffnen und die Möglichkeit eines
"mehrdimensionalen Kompetenzerwerbs" bieten.
Inhalt und Verlauf
Das Planspiel "Der Generationenvertrag auf dem Prüfstand" ist in
grundsätzlich zwei große Phasen unterteilt, die wiederum zielführend in
aufeinander aufbauende Einzelteile gegliedert sind. Es ist für
Gruppengrößen von 15 bis 27 Teilnehmern ausgelgt und spricht als
Zielgruppe hauptsächlich SchülerInnen, Studierende und junge Erwachsene
an. Im narrativen Setting finden sich die Teilnehmer in drei Gruppen
wieder, die den Generationen einer Gesellschaft enstprechen (bis 30
Jahre, 30 bis 60 Jahre und über 60 Jahre). Jeder Teilnehmer vertritt
dabei eine bestimmte Rolle, d.h. eine Person, deren Eckdaten durch
Info-Karten zugeteilt werden. In der "Konfliktphase" sehen sich die
einzelnen Gruppen als "Generationen-Kommission" mit der Aufgabe
konfrontiert, ein Positionspapier zur Vorlage beim "Bundespräsidenten"
zu erstellen. Dabei Übernehmen sie die Rolle von Lobbyisten der eigenen
Generation. In der "Paktphase" sind die drei Gruppen als nun einander
zugeordnete "Zukunftskommission" aufgefordert, Eckpunkte eines möglichen
"Generationenvertrags" zu erarbeiten und der "Öffentlichkeit"
vorzustellen. Die Teilnehmer erhalten ihre Aufgaben und sturkturierende
Hilfestellungen durch fiktive "Pressemitteilungen" des
Bundespräsidialamts. Sämtliche hierfür nötigen Materialien und Texte
finden sich als Kopiervorlage bzw. auf CD-ROM (als .pdf) dem Werkbuch
beigelegt. Auch verschiedene Möglichkeiten für den zeitlichen Ablauf
werden dem Durchführenden in tabellarischer Form an die Hand gegeben
(z.B. ist neben einer Durchführung im Block mit einer Dauer von
eineinhalb Tagen auch möglich, das Planspiel in verschiedene Einheiten
unterteilt auf zwei Unterrichtswochen mit einem vertretbaren zeitlichen
Anteil außerhalb der normalen Unterrichtszeit verteilt durchzuführen).
In einer abschließenden Reflexionsphase können die Ergebnisse und das
Erleben der Teilnehmer thematisiert und in den Kontext der aktuellen
gesellschaftlichen bzw. politischen Situation eingeordnet werden.
Fazit
Durch ein stimmiges Setting, eine durchdachte und erprobte Struktur und
eine angemessen kompakte Präsentation, wissen die Autoren des Planspiels
zu überzeugen und legen eine gute Grundlage, damit ihr Ziel in der
Durchführung verwirklicht werden kann, das darin besteht, bei den
Teilnehmern eigene Vorstellungen, Interessen und auch Forderungen zu
entwickeln, die in zukünftige gesellschaftliche Gestaltungsprozesse
konstruktiv eingebracht werden können. Positiv fallen auch die
zusätzlich zum eigentlichen Planspiel zur Verfügung gestellten
Materialien (Zeitungsartikel, Karrikaturen und Statistiken), die der
Vor- und Nachbreitung dienen, ins Auge. Das Anspruchsniveau der
Planspiels ist eher hoch, das formulieren auch die Autoren so. Vor allem
wird ein relativ hohes Maß an Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit
auf Seiten der Teilnehmer gefordert, was bei der Entscheidung für die
Umsetzung des Planspiels berücksichtigt werden sollte.
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