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"Antonio and Ali" – Stereotypen der kulturellen Wahrnehmung aufdecken
Geschrieben von: Christian Fey   
Montag, den 22. November 2010 um 11:03 Uhr
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 Quelle: Dieter Schütz - pixelio.de
Die Wahrnehmung anderer Kulturen oder Subkulturen ist nicht nur bei Jugendlichen oft durch implizite Stereotype und verallgemeindernde Clichés geprägt. Eine Methode aus dem "education pack" des Europarats, die diese Stereotypen hervortreten lässt zum Diskussionsgegenstand machen möchte, soll hier vorgestellt werden. Dabei spielt das spontane und gemeinsame Erzählen einer fiktiven Geschichte eine zentrale Rolle.

Ablauf

  • Die Gruppe sitzt im Kreis

  • Ein oder zwei Teilnehmer werden zu Beobachtern bestimmt. Die Aufgabe der Beobachter ist es, die Geschichte, die nun gemeinsam erzählt bzw. erfunden werden soll, aufzuschreiben.

  • Der Gruppe wird erklärt, dass sie nun kooperativ eine Geschichte erfunden werden soll. Wichtig ist, dass nicht "verraten" wird, dass es eigtl. Darum gehen wird, zwei Geschichten zu vergleichen

  • Die Reihenfolge, in der die Geschichte durch die einzelnen Gruppenmitglieder erzählt wird, wird durch die Weitergabe des Balls bestimmt. Jeder, der den Ball erhält, erzählt die Geschichte mit ein oder zwei Sätzen weiter. Die Geschichte sollte möglichst spontan und ohne allzu lange Pausen erzählt werden

  • Der Leiter/Lehrer beginnt die Geschichte mit dem Satz: "Die ist die Geschichte von Stefan, einem Jungen aus München..." und gibt den Ball weiter

  • Der Ball wird weitergegeben, bis eine kleine Geschichte auf kooperativem Weg entstanden ist (etwa 10-12 Mal, u.U. Aber auch mehr)

  • Der Leiter/Lehrer unterbricht die Geschichte mit dem Satz "Stefan kennt einen türkischen Jungen namens Ali. Auch zu diesem Jungen gibt es eine Geschichte..." und gibt den Ball weiter

  • Wieder wird der Ball weitergegeben, bis eine kleine Geschichte auf kooperativem Weg entstanden ist

  • Der Leiter/Lehrer beendet die Aktivität nach ca. 10-15 Minuten und bedankt sich für die Mitwirkung

 

Reflexion

Nachdem der Beobachter die entstandenen Geschichten noch einmal kurz vorgetragen hat, bietet sich die Gelegenheit über die Unterschiede in den beiden erzählten Geschichten nachzudenken. Die Jugendlichen werden gebeten, diese zu kommentieren und sich über die zugrundeliegenden Ansichten und Bilder Gedanken zu machen, aus denen dieser Unterschiede resultieren. Die wesentlichen Stichworte aus den Beiträgen werden auf einer Flipchart oder einer Tafel festgehalten.

 

Eckdaten

  • Gruppengröße: 8-10 Personen (große Gruppen können problemlos geteilt werden)

  • Alter: 12+ Jahre

  • Dauer der Methode: 30 Minuten

  • Material: ein Ball, Stifte und Papier für die Beobachter, evtl. Tonbandgerät/mp3-Rekorder o.ä., Flip-Chart und Marker-Stifte bzw. Tafel und Kreide

Variationsmöglichkeiten

Die Namen und das Geschlecht der fiktiven Personen und der Ort bzw. die Orte, denen sie zugordnet werden, sollte an die Gruppe angepasst werden (auch eine Thematisierung von geschlechtsstereotypischen Vorstellungen wäre durch die Methode möglich). Außerdem kann durch die Wahl des Einführungssatzes der Fokus auch auf beliebige soziale Gruppen im Unterschied zu den "normalen" Jugendlichen gelegt werden (z.B. kann Thomas ein Rollstuhlfahrer, Angehöriger einer bestimmten Subkultur, ein homosexueller Jugendlicher, etc. Sein). Wer vermeiden möchte, dass die Jugendlichen im Verlauf der Methode dahinter kommen, dass die beiden Geschichten verglichen werden sollen, kann die beiden Geschichten auch in getrennten Gruppen erzählen bzw. Aufzeichnen lassen - diese Gruppen sollten dann aber nach Möglichkeit zufällig gemischt sein.

 

Links

  • Die Methode entstammt ursprünglich aus einer Veröffentlichung des Europarats: "Education Pack - Idea, resources, methods and activities for informal intercultural education with young people and adults, Straßburg 2005". Der Titel ist hier erhältlich.

  • Eine Adaption unter dem Titel "Thomas und Mehmet" finden Sie in der Datenbank für internationale Jugendarbeit

 
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