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Methoden spielen eine wichtige Rolle in
Vermittlungsszenarios der Erwachsenen- und Jugendbildung. Jörg Knoll zufolge
sind Methoden im komplexen Geflecht von Lehr-/Lernsituationen, das von
institutionellen Vorgaben, bestimmten Lern- oder Kompetenzzielen, Bedürfnissen
und Eigenarten der Zielgruppen, räumlichen und personellen Rahmenbedingungen
bestimmt ist, der einzige Faktor, der sich im vollen Zugriff des oder der
Lehrenden befindet. Sie sind damit das herausragende Stellrad im System
„Bildungs, Lern- bzw. Entwicklungsprozess" und verdienen als Hauptinstrument und
Werkzeug des Lehrens und Lernens daher besondere Aufmerksamkeit und Reflexion.
Der Einsatz einer
bestimmten Methode in Bildungsprozessen geschieht allerdings nicht aus Selbstzweck
und garantiert an und für sich auch weder Erfolg noch Effektivität. Da Methoden
nicht als starres Korsett zu verstehen sind, sondern (wiederum im Sinne Knolls)
als „helfende Verfahrensweisen" und sie somit „lediglich" eine dienende
Funktion erfüllen, müssen Methoden auch zum Gegenstand von Adaption, Innovation
und Veränderung werden. Eine solche Innovation soll hier für die Methode „Open Space
Technology" vorgestellt werden, sie trägt den Namen „Open WriTable". Sie
wird erstmals auf dem Forum
des Netzwerks Politische Bildung Bayern 2010 in der Praxis erprobt.
Open Space Essentials
Bei Open Space Technology handelt es sich um eine Methode zur Intervention bei
großen Gruppen, die in den letzten Jahren unter dem Slogan „organisierte
Kaffepause" (treffender wäre vielleicht:
„sich selbst organisierende Kaffepause") eine beachtliche Karriere in der
Organisationsentwicklung sowohl im Profit als auch im Non-Profit-Bereich vorzuweisen
hat. Sie ignoriert weitestgehend organisationale Hierarchien und setzt ihren
Fokus auf direkt Kommunikation und die Erfahrung und Entfaltung von Autonomie
und individueller Kompetenz. Ihre Stärken liegen damit vor allem auch in der
Ermöglichung echter und individueller Beteiligung von Personen, die Interesse
bzw. Leidenschaft für ein bestimmtes Thema mitbringen. Open Space fordert und
fördert damit Involvement und persönliches
Engagement.
Das Leitbild und Regulativ der Methode ist die Selbstbestimmung des einzelnen
Teilnehmers, diese hat selbst vor der Veranstaltung selbst Vorrang - niemand ist
gezwungen überhaupt an einer Diskussion teilzunehmen und auch die „Nicht-Teilnahme"
wird explizit als adäquate Verhaltensweise integriert.

"Marktplatz" des Open Space beim 2. Netzwerkforum 2009 in Tutzing
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Dabei implementiert Open
Space eine quasi basisdemokratische Verfahrensweise der Themenbearbeitung in
kleinen Gruppen, indem auf einem sog. „Markplatz" jeder Teilnehmer eigene
Themen einbringen und Verantwortung für die Bearbeitung des von ihm
eingebrachten Themas innerhalb eines bestimmten Zeitfensters übernimmt. Verantwortung
heißt in diesem Fall jedoch nicht, dass die betreffende Person als
„Diskussionsleiter" fungiert, sondern lediglich, dass er oder sie der- bzw. diejenige
ist, der Zeit und Ort der Diskussion bestimmt und dafür sorgt, dass eine
Dokumentation des Diskussionsverlaufs und dessen möglicher Ergebnisse erstellt
wird. In der konkreten Umsetzung von Open Space haben sich gerade hier, bei der
(verständlichen und nachvollziehbaren) Dokumentation der Kleingruppen immer
wieder Schwierigkeiten gezeigt. An dieser Stelle liegt nun die Veränderung der Methode „Open WriTable"
gegenüber einer reinen (klassischen) Open-Space-Veranstaltung.
Open WriTable Essentials
Statt eines Verantwortlichen, der für die Dokumentation der Ergebnisse sorgt (bzw.
sorgen muss) und somit eine von den restlichen Teilnehmern der Gruppe
verschiedene Rolle einnimmt (bzw. nehmen muss), wird diese Dokumentation
sozusagen entpersonalisiert. Diese Vorgehensweise entlastet die Gruppe von jeglichen
Resten von Rollendifferenzen, die in der originalen Konzeption von Open Space
strenggenommen noch existieren. Das Diskussions- und Ergebnisprotokoll entsteht
im Verlauf der Diskussion von selbst, und zwar dadurch, das die Diskussion
gleichzeitig verbal und schriftlich geführt wird. Dies funktioniert ähnlich
einem Schreibgespräch,
nur eben nicht stumm und nicht in dessen starrer Reglementierung. Dabei gilt
die Regel: Es ist erlaubt, mehr zu sagen, als geschrieben wird - das bedeutet: das
Schreiben reglementiert nicht das Sprechen, sondern umgekehrt, das Geschriebene
ist im besten Fall Essenz des Gesprochenen. Zu diesem Zweck sind die Tische, an
denen die Diskussionsgruppen sich versammeln, mit Papier bespannt und mit
ausreichend Schreib- bzw. Zeichenmaterial bestückt, so dass jeder der
Teilnehmer die Gelegenheit hat, sich entsprechend der Methode zu beteiligen,
ohne das der Gesprächsfluss zu sehr ins Stocken gerät oder gar unterbrochen
wird. Die Teilnehmer sind dabei selbst gefragt - und werden für kompetent
erachtet - ihre eigenen Ansichten und Anmerkungen zu Papier zu bringen. Dies
ist sowohl während als sogar auch noch nach (!) der Gruppenphase möglich -
außerdem können jederzeit Ergänzungen vorgenommen werden, wodurch das
Protokollieren der Ergebnisse ein ebenso dynamischer Vorgang wird, wie das
Wechselspiel von stetig wechselnden Diskussionen und Diskussionspartnern der
bei Open Space entstehenden Kleingruppen. Die so entstandenen „Tischprotokolle"
können zum Abschluss der Veranstaltung zugespitzt und zum Gegenstand der
weiterführenden Diskussion werden (auch über den zeitlichen Rahmen der
Veranstaltung hinaus).
| Verweise:
Vorstellung der Methode Open Space auf den Seiten des Netzwerks
Politische
Bildung Bayern: http://www.politische-bildung-bayern.net/content/view/80/43/
Knoll, Jörg (2007): Kurs- und Seminarmethoden. Ein Trainingsbuch zur
Gestaltung
von Kursen, Seminaren, Arbeits- und Gesprächskreisen. 11., vollständig
überarbeitete und erweiterte Auflage. Weinheim
Siebert, Horst (2006): Theorien für die Praxis. 2. Aufl. Bielefeld
Owen, Harrison (2001): Open Space Technology - ein Leitfaden für die
Praxis. Stuttgart
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