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Der Wettbewerb „60 Sekunden für die Demokratie" war ein
Projekt des Netzwerks Politische Bildung Bayern in Kooperation mit dem
Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Vom 15. Juni bis 16.
September 2009 waren Jugendliche zwischen 14 und 22 Jahren aufgerufen, in
Gruppen von zwei bis fünf Personen in einminütigen Videos darzustellen, was das
Wertvolle an der Demokratie ist. Anschließend konnten diese Videos auf der
eigens hierzu entwickelten Internetplattform www.60sek.de
eingestellt werden. Im
Web2.0-Stil konnten die Internetnutzer über einen Publikumspreis abstimmen.
Zudem prämierte eine Jury aus den Einreichungen zehn Videos. Auf einer
Preisverleihung
wurden am 30. November 2009 die Siegergruppen im Bayerischen
Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Anwesenheit von Dr. Marcel
Huber, Staatssekretär am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und
Kultus, geehrt.
Die Gestaltung des Wettbewerbs „60 Sekunden für die
Demokratie" verstand sich auch als Versuch, das Format des Web2.0 in die
politische Bildung zu integrieren. Hierbei kam es zu verschiedenen
Herausforderung während des Wettbewerbverlaufs, die das
Projektteam in einem Selbstinterview reflektiert hat.
Vor-Überlegungen
Wo nahmen die Überlegungen ihren
Ausgang? Was waren die Ausgangsüberlegungen?
Ihren
Ursprung hatte die Idee in der „last lecture" des krebskranken amerikanischen
Professors Randy Pausch, der über das
Leben und die Verwirklichung von Kindheitsträumen sprach. Ausgehend von dieser
Überlegung stellten wir uns die Frage: Was wäre wenn man nur noch eine
begrenzte Zeit hätte, um jemanden für Demokratie zu begeistern? Was würde man
sagen?
Daraus wurde
dann die knappe Zeit von 60 Sekunden, auch als Analogie zum 60jährigen Bestehen
des Grundgesetzes 2009.
Zudem lag der
Idee noch ein weiterer Gedanke zugrunde: Wir neigen dazu, über das, was in
unserem politischen System falsch läuft zu Jammern. Selbstverständlich lässt
sich Demokratie immer weiterentwickeln, immer auch etwas verbessern. Aber wir
sollten auch den Wert der Demokratie schätzen.
Wir wollten politische Bildung
mal anders denken: Kein Seminarraum, kein Papier, kein Lesen und Sitzen.
Was waren die grundlegendsten Ziele
des Projekts?
Zunächst
einmal sollte es ein Projekt für Jugendliche sein, an dem diese sich aktiv
beteiligen können und sollen und nicht nur Konsumenten sind. Wir wollten damit
junge Leute erreichen, sie dazu anregen, sich mit dem Thema Demokratie
auseinander zu setzen, auf kreative Art und Weise. Wir wollten zum Überlegen anregen
darüber, was Demokratie für einen auch ganz persönlich bedeutet.
Gleichzeitig sollten zwei unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Das erste
dieser Ziele wurde bereits angesprochen, nämlich einen positiven Blick auf die
Demokratie als politisches und gesellschaftliches System zu werfen. Ein
weiteres Ziel betraf die methodische Umsetzung. Wir wollten die Möglichkeiten
des Web2.0 im Internet für die politische Bildung austesten. Dabei bietet das
Internet eine Reihe von Vorteilen: Beiträge können selbst eingestellt werden
und sind sehr schnell auch für andere sichtbar. Zudem wird das Internet von
allen Jugendlichen genutzt. Gegebenfalls erreicht es auch bisher in der
politischen Bildung unterrepräsentierte Zielgruppen. Von dieser Möglichkeit des
Web2.0 für die politische Bildung wird häufig gesprochen, im Vergleich dazu
jedoch noch selten eingesetzt.
Warum wurde letztendlich der
Wettbewerb „60 Sekunden für die Demokratie" daraus?
Der
Wettbewerb in dieser Form erschien als geeignetes Format um die eben genannten
Zielsetzungen zu erreichen. Sowohl schulische als auch außerschulische
Einrichtungen konnten sich daran beteiligen.
Den Gedanken an ein Projekt im Web
2.0 hatten wir schon eine ganze Weile im Hinterkopf.
Ein Großteil der
Rahmenbedingungen des Wettbewerbs wurde in einer Open-Space-Gruppe auf dem 2.
Netzwerkforum Politische Bildung Bayern in der Evangelischen Akademie in
Tutzing entwickelt, in der auch Lehrer und in der Jugendarbeit tätige beteiligt
waren.
Der
Wettbewerb selbst sollte als Möglichkeit des Ansporns dienen. Quasi ein Gewinn
als Zielmarke, der sowohl Motivation als auch Belohnung für Engagement schafft.
Dabei sollten die Preise bewusst die Lebenswelt Jugendlicher ansprechen. Dies
wurde im Vorfeld bei den Vorbereitungen in der Open-Space-Gruppe deutlich.
Gleichzeitig
können die produzierten Filme auch weiterhin für die politische Bildung genutzt
werden.
Umsetzung
Was gab es alles zu tun? Welche
Bereiche mussten bedacht werden?
Von der Idee
bis zur Preisverleihung eine ganze Reihe: Der zeitliche
Rahmen - bei Schulen hatten wir an die Projekttage vor dem Sommerferien gedacht
und von der außerschulischen Jugendarbeit kamen Freizeiten in den Sommerferien,
wo so etwas auch gemacht werden könnte, ins Spiel.
Die finanziellen Aspekte natürlich.
Aufteilen
lässt es sich vielleicht in die Bereiche Konzeption des Wettbewerbs, Gestaltung
des Wettbewerbs, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Ein nicht zu unterschätzender
Bereich war auch die Entwicklung einer Wettbewerbshomepage. Einerseits
natürlich die Gestaltung und Ansprache der Jugendlichen auf der Seite. Einen
großen Teil der Errungenschaft dieser Seite sieht man im Vordergrund jedoch gar
nicht. Auf der Seite war es möglich quasi alle gängigen Videoformate ohne
Formatierung hoch zuladen. Dies möglich zu machen, war arbeitsintensiv und
mit vielen Herausforderungen verbunden. Es hat sich jedoch gelohnt, da dadurch
die Teilnahme am Wettbewerb wesentlich einfacher war und eine große Hürde
abgebaut wurde. Zudem stellte sich die Frage der weiteren Nutzung der Filme.
Woran hattet Ihr vielleicht zuvor
nicht gedacht?
Miriam
Apffelstaedt: Tatsächlich war ich über die Komplexität der Entwicklung einer
Plattform, die unterschiedliche Videos ermöglicht, überrascht.
Martina
Mobley: Dass Dinge immer länger brauchen als man es gerade brauchen kann. Dass 60
Sekunden ganz schön lange sein können. Dass 60 Sekunden ganz schön kurz sein
können. Dass man auch an sowas wie GEMA denken muss.
Florian
Wenzel: Ich habe auch nicht an den Aufwand bei der Erstellung eines
Videoportals gedacht. Außerdem war die außerschulische Bildung schwerer zu
erreichen, als ich es erwartet habe. Zeitraubend und schwierig war auch die
Suche nach Sponsoren für die Preise.
Was hättet Ihr gerne noch umgesetzt, wenn
Ihr mehr Zeit gehabt hättet?
Ein
umfassenderes Angebot wäre interessant gewesen. Hintergrundinformationen zur
Demokratie auf der Seite, einen Leitfaden, wie man ein Video plant oder auch
pädagogisches Begleitmaterial für Lehrer_innen und Multiplikatoren. Gerne
hätten wir auch die Einbindung der außerschulischen Bildung weiter verstärkt
und eine intensivere Pressearbeit geleistet.
Was war für Euch der schönste Moment
während der Umsetzung?
Miriam
Apffelstaedt: Das waren verschiedene. Das erste Video auf der Plattform war
toll. Gerade beim Web2.0-Format ist der Erfolg oder Nicht-Erfolg eines Projekts
öffentlich einsehbar, da zittert man schon. Gleichzeitig bekommt man dadurch
auch Rückmeldung. Ein für Außenstehende vielleicht abstrakter Moment, waren für
mich auch die Zugriffzahlen auf die Seite www.60sek.de, die sehr gut waren. Sehr
spannend fand ich auch, die Jugendlichen auf Preisverleihung sehen. Quasi die
Köpfe hinter den Videos.
Theresa
Riechert: Die Freischaltung der Internet-Plattform war für mich der schönste
Moment des Wettbewerbs.
Martina
Mobley: Für mich persönlich war das, als das erste Video online gestellt wurde.
Man kann ja vorher nie wissen. In der Vorbereitungsphase war das schönste als das Ganze ein Gesicht bekommen hat, mit Logo und Website und das dann echt
nicht schlecht aussah.
Florian
Wenzel: Die ersten Videos sowie die spät eingestellten, sehr guten, Videos. Außerdem
die Begeisterung der Betreuer und Lehrer_innen sowie Schüler_innen während der
Preisverleihung war sehr nachhaltig.
Nach-Überlegungen
Wie zufrieden seid Ihr mit dem
Ergebnis?
Miriam
Apffelstaedt: Ich war sehr überrascht über die hohe Qualität der Videos. In der
Wettbewerbsausschreibung stand ja ganz explizit, dass auch ein einfaches
Handyvideo teilnehmen kann. Einige Videos sind ja auch mit Handykamera gefilmt,
sie sind aber alle geschnitten, sind häufig mit Musik unterlegt und auch an die
Länge von 60 Sekunden haben sich fast alle gehalten. Mir ist
durchaus bewusst, dass einige Lehrer gerne mehr Planungszeit gehabt hätten.
Vielleicht ist es das nächste Mal möglich, den Wettbewerb länger laufen zu
lassen, dann haben wir vielleicht noch mehr Beiträge. Aber insgesamt bin ich
schon sehr zufrieden.
Theresa
Riechert: Für die relativ kurze Zeit der Umsetzung und für „erstes Mal" sehr
zufrieden. Denn die Ausgangsziele wurden größtenteils erreicht.
Martina Mobley:
Ich habe zwischendrin wirklich gebangt, ob Beiträge kommen, und als endlich der
erste da war hab ich gehofft, dass noch mehr kommen. Kamen ja auch. Natürlich
wäre es fantastisch gewesen, wenn sich Hunderte von Gruppen beteiligt hätten,
aber so fand ich es auch schon ziemlich gut. Und bei den eingegangen Beiträgen merkt man dass sich die Beteiligten wirklich was dabei gedacht haben und beim Erstellen des Videos auch einfach Spaß hatten.
Florian
Wenzel: Sehr zufrieden bin ich mit der Qualität der Videos. Ich glaube
tatsächlich, das Format 60 Sekunden zwingt dazu auf einen sehr originellen Punkt
zu kommen oder es zu lassen.
Was würdet Ihr nächstes Mal anders
machen?
Miriam
Apffelstaedt: Ein paar kleinere Details, ein paar andere Kontaktdaten abfragen,
zum Beispiel.
Theresa
Riechert: Ich würde mehr Zeit für die Erstellung der Beiträge einplanen, also
eine längere Laufzeit des Wettbewerbs ermöglichen.
Martina
Mobley: Wir bräuchten, denke ich etwas mehr zeitlichen Puffer zwischendrin, so
war immer alles Spitz auf Knopf geplant, und von unserer Seite aus hat ja auch
alles rechtzeitig hingehauen, aber man muss einfach bedenken, dass der
Wettbewerb für uns eine Priorität hatte, die er für die anderen Beteiligten
nicht haben konnte und sich Dinge verzögern, die Werbung im Vorfeld hat das
schon beeinträchtigt. Dass Jugendliche es schaffen das System zu überlisten, so
dass der Server einen Tag nicht funktioniert, habe ich nicht erwartet, beim
nächsten Mal weiß man es.
Florian
Wenzel: Auch ich würde im Vorfeld mehr Zeit einplanen.
Welche Eurer ursprünglichen
Zielsetzungen konnten verwirklicht werden?
Miriam
Apffelstaedt:Ich finde, die Videos zeigen eigentlich alle eine positive
Grundstimmung zur Demokratie. Gut fand ich auch, dass Schüler des bfz München
und des bfz Augsburg teilgenommen haben.
Theresa
Riechert: Für mich ist der Wettbewerb eine Bestätigung, dass politische Bildung
gut mit neuen Medien verbunden werden kann.
Martina
Mobley: Ich glaube, das hat gut funktioniert, wir haben unsere Ziele bis auf einige Feinheiten erreicht.
Florian
Wenzel: Mit Ausnahme der stärkeren Einbindung der außerschulischen Bildung,
finde ich, sind alle Zielsetzungen erreicht worden.
Euer persönliches Fazit ...
Miriam
Apffelstaedt: Wann machen wir den nächsten Wettbewerb?
Theresa
Riechert: War viel Arbeit „im Hintergrund", aber hat sich gelohnt.
Martina
Mobley: Etwas in dieser Art haben wir vorher noch nie gemacht, aus den Erfahrungen lässt sich für Zukünftiges einiges schöpfen. Ein großes Lob an die, die die Hauptarbeit, sei es technische Umsetzung oder
Öffentlichkeitsarbeit übernommen haben.
Florian
Wenzel: Ich würde ein einmal jährlich stattfindendes Format daraus machen. Möglicherweise
mit wechselnden Themen.
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