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Rückblick auf den Wettbewerb – ein Selbstinterview der Macher Drucken E-Mail
Geschrieben von: Miriam Apffelstaedt   
Donnerstag, den 10. Dezember 2009 um 12:13 Uhr
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60sek_sticker.jpgDer Wettbewerb „60 Sekunden für die Demokratie" war ein Projekt des Netzwerks Politische Bildung Bayern in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Vom 15. Juni bis 16. September 2009 waren Jugendliche zwischen 14 und 22 Jahren aufgerufen, in Gruppen von zwei bis fünf Personen in einminütigen Videos darzustellen, was das Wertvolle an der Demokratie ist. Anschließend konnten diese Videos auf der eigens hierzu entwickelten Internetplattform www.60sek.de eingestellt werden. Im Web2.0-Stil konnten die Internetnutzer über einen Publikumspreis abstimmen. Zudem prämierte eine Jury aus den Einreichungen zehn Videos. Auf einer Preisverleihung wurden am 30. November 2009 die Siegergruppen im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Anwesenheit von Dr. Marcel Huber, Staatssekretär am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, geehrt.

Die Gestaltung des Wettbewerbs „60 Sekunden für die Demokratie" verstand sich auch als Versuch, das Format des Web2.0 in die politische Bildung zu integrieren. Hierbei kam es zu verschiedenen Herausforderung während des Wettbewerbverlaufs, die das Projektteam in einem Selbstinterview reflektiert hat.

Vor-Überlegungen

Wo nahmen die Überlegungen ihren Ausgang? Was waren die Ausgangsüberlegungen?

Ihren Ursprung hatte die Idee in der „last lecture" des krebskranken amerikanischen Professors  Randy Pausch, der über das Leben und die Verwirklichung von Kindheitsträumen sprach. Ausgehend von dieser Überlegung stellten wir uns die Frage: Was wäre wenn man nur noch eine begrenzte Zeit hätte, um jemanden für Demokratie zu begeistern? Was würde man sagen?

Daraus wurde dann die knappe Zeit von 60 Sekunden, auch als Analogie zum 60jährigen Bestehen des Grundgesetzes 2009.

Zudem lag der Idee noch ein weiterer Gedanke zugrunde: Wir neigen dazu, über das, was in unserem politischen System falsch läuft zu Jammern. Selbstverständlich lässt sich Demokratie immer weiterentwickeln, immer auch etwas verbessern. Aber wir sollten auch den Wert der Demokratie schätzen.
Wir wollten politische Bildung mal anders denken: Kein Seminarraum, kein Papier, kein Lesen und Sitzen.

Was waren die grundlegendsten Ziele des Projekts?

Zunächst einmal sollte es ein Projekt für Jugendliche sein, an dem diese sich aktiv beteiligen können und sollen und nicht nur Konsumenten sind. Wir wollten damit junge Leute erreichen, sie dazu anregen, sich mit dem Thema Demokratie auseinander zu setzen, auf kreative Art und Weise. Wir wollten zum Überlegen anregen darüber, was Demokratie für einen auch ganz persönlich bedeutet.
Gleichzeitig sollten zwei unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Das erste dieser Ziele wurde bereits angesprochen, nämlich einen positiven Blick auf die Demokratie als politisches und gesellschaftliches System zu werfen. Ein weiteres Ziel betraf die methodische Umsetzung. Wir wollten die Möglichkeiten des Web2.0 im Internet für die politische Bildung austesten. Dabei bietet das Internet eine Reihe von Vorteilen: Beiträge können selbst eingestellt werden und sind sehr schnell auch für andere sichtbar. Zudem wird das Internet von allen Jugendlichen genutzt. Gegebenfalls erreicht es auch bisher in der politischen Bildung unterrepräsentierte Zielgruppen. Von dieser Möglichkeit des Web2.0 für die politische Bildung wird häufig gesprochen, im Vergleich dazu jedoch noch selten eingesetzt. 

Warum wurde letztendlich der Wettbewerb „60 Sekunden für die Demokratie" daraus?

Der Wettbewerb in dieser Form erschien als geeignetes Format um die eben genannten Zielsetzungen zu erreichen. Sowohl schulische als auch außerschulische Einrichtungen konnten sich daran beteiligen.
Den Gedanken an ein Projekt im Web 2.0 hatten wir schon eine ganze Weile im Hinterkopf.
Ein Großteil der Rahmenbedingungen des Wettbewerbs wurde in einer Open-Space-Gruppe auf dem 2. Netzwerkforum Politische Bildung Bayern in der Evangelischen Akademie in Tutzing entwickelt, in der auch Lehrer und in der Jugendarbeit tätige beteiligt waren.  

Der Wettbewerb selbst sollte als Möglichkeit des Ansporns dienen. Quasi ein Gewinn als Zielmarke, der sowohl Motivation als auch Belohnung für Engagement schafft. Dabei sollten die Preise bewusst die Lebenswelt Jugendlicher ansprechen. Dies wurde im Vorfeld bei den Vorbereitungen in der Open-Space-Gruppe deutlich.

Gleichzeitig können die produzierten Filme auch weiterhin für die politische Bildung genutzt werden.

Umsetzung

Was gab es alles zu tun? Welche Bereiche mussten bedacht werden?

Von der Idee bis zur Preisverleihung eine ganze Reihe: Der zeitliche Rahmen - bei Schulen hatten wir an die Projekttage vor dem Sommerferien gedacht und von der außerschulischen Jugendarbeit kamen Freizeiten in den Sommerferien, wo so etwas auch gemacht werden könnte, ins Spiel. Die finanziellen Aspekte natürlich.

Aufteilen lässt es sich vielleicht in die Bereiche Konzeption des Wettbewerbs, Gestaltung des Wettbewerbs, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Ein nicht zu unterschätzender Bereich war auch die Entwicklung einer Wettbewerbshomepage. Einerseits natürlich die Gestaltung und Ansprache der Jugendlichen auf der Seite. Einen großen Teil der Errungenschaft dieser Seite sieht man im Vordergrund jedoch gar nicht. Auf der Seite war es möglich quasi alle gängigen Videoformate ohne Formatierung hoch zuladen. Dies möglich zu machen, war arbeitsintensiv und mit vielen Herausforderungen verbunden. Es hat sich jedoch gelohnt, da dadurch die Teilnahme am Wettbewerb wesentlich einfacher war und eine große Hürde abgebaut wurde. Zudem stellte sich die Frage der weiteren Nutzung der Filme.

Woran hattet Ihr vielleicht zuvor nicht gedacht?

Miriam Apffelstaedt: Tatsächlich war ich über die Komplexität der Entwicklung einer Plattform, die unterschiedliche Videos ermöglicht, überrascht.
Martina Mobley: Dass Dinge immer länger brauchen als man es gerade brauchen kann. Dass 60 Sekunden ganz schön lange sein können. Dass 60 Sekunden ganz schön kurz sein können. Dass man auch an sowas wie GEMA denken muss.
Florian Wenzel: Ich habe auch nicht an den Aufwand bei der Erstellung eines Videoportals gedacht. Außerdem war die außerschulische Bildung schwerer zu erreichen, als ich es erwartet habe. Zeitraubend und schwierig war auch die Suche nach Sponsoren für die Preise.

Was hättet Ihr gerne noch umgesetzt, wenn Ihr mehr Zeit gehabt hättet?

Ein umfassenderes Angebot wäre interessant gewesen. Hintergrundinformationen zur Demokratie auf der Seite, einen Leitfaden, wie man ein Video plant oder auch pädagogisches Begleitmaterial für Lehrer_innen und Multiplikatoren. Gerne hätten wir auch die Einbindung der außerschulischen Bildung weiter verstärkt und eine intensivere Pressearbeit geleistet. 

Was war für Euch der schönste Moment während der Umsetzung?

Miriam Apffelstaedt: Das waren verschiedene. Das erste Video auf der Plattform war toll. Gerade beim Web2.0-Format ist der Erfolg oder Nicht-Erfolg eines Projekts öffentlich einsehbar, da zittert man schon. Gleichzeitig bekommt man dadurch auch Rückmeldung. Ein für Außenstehende vielleicht abstrakter Moment, waren für mich auch die Zugriffzahlen auf die Seite www.60sek.de, die sehr gut waren. Sehr spannend fand ich auch, die Jugendlichen auf Preisverleihung sehen. Quasi die Köpfe hinter den Videos.
Theresa Riechert: Die Freischaltung der Internet-Plattform war für mich der schönste Moment des Wettbewerbs.
Martina Mobley: Für mich persönlich war das, als das erste Video online gestellt wurde. Man kann ja vorher nie wissen. In der Vorbereitungsphase war das schönste als das Ganze ein Gesicht bekommen hat, mit Logo und Website und das dann echt nicht schlecht aussah.
Florian Wenzel: Die ersten Videos sowie die spät eingestellten, sehr guten, Videos. Außerdem die Begeisterung der Betreuer und Lehrer_innen sowie Schüler_innen während der Preisverleihung war sehr nachhaltig.

Nach-Überlegungen

Wie zufrieden seid Ihr mit dem Ergebnis?

Miriam Apffelstaedt: Ich war sehr überrascht über die hohe Qualität der Videos. In der Wettbewerbsausschreibung stand ja ganz explizit, dass auch ein einfaches Handyvideo teilnehmen kann. Einige Videos sind ja auch mit Handykamera gefilmt, sie sind aber alle geschnitten, sind häufig mit Musik unterlegt und auch an die Länge von 60 Sekunden haben sich fast alle gehalten. Mir ist durchaus bewusst, dass einige Lehrer gerne mehr Planungszeit gehabt hätten. Vielleicht ist es das nächste Mal möglich, den Wettbewerb länger laufen zu lassen, dann haben wir vielleicht noch mehr Beiträge. Aber insgesamt bin ich schon sehr zufrieden.
Theresa Riechert: Für die relativ kurze Zeit der Umsetzung und für „erstes Mal" sehr zufrieden. Denn die Ausgangsziele wurden größtenteils erreicht.
Martina Mobley: Ich habe zwischendrin wirklich gebangt, ob Beiträge kommen, und als endlich der erste da war hab ich gehofft, dass noch mehr kommen. Kamen ja auch. Natürlich wäre es fantastisch gewesen, wenn sich Hunderte von Gruppen beteiligt hätten, aber so fand ich es auch schon ziemlich gut. Und bei den eingegangen Beiträgen merkt man dass sich die Beteiligten wirklich was dabei gedacht haben und beim Erstellen des Videos auch einfach Spaß hatten.
Florian Wenzel: Sehr zufrieden bin ich mit der Qualität der Videos. Ich glaube tatsächlich, das Format 60 Sekunden zwingt dazu auf einen sehr originellen Punkt zu kommen oder es zu lassen.

Was würdet Ihr nächstes Mal anders machen?

Miriam Apffelstaedt: Ein paar kleinere Details, ein paar andere Kontaktdaten abfragen, zum Beispiel.
Theresa Riechert: Ich würde mehr Zeit für die Erstellung der Beiträge einplanen, also eine längere Laufzeit des Wettbewerbs ermöglichen.
Martina Mobley: Wir bräuchten, denke ich etwas mehr zeitlichen Puffer zwischendrin, so war immer alles Spitz auf Knopf geplant, und von unserer Seite aus hat ja auch alles rechtzeitig hingehauen, aber man muss einfach bedenken, dass der Wettbewerb für uns eine Priorität hatte, die er für die anderen Beteiligten nicht haben konnte und sich Dinge verzögern, die Werbung im Vorfeld hat das schon beeinträchtigt. Dass Jugendliche es schaffen das System zu überlisten, so dass der Server einen Tag nicht funktioniert, habe ich nicht erwartet, beim nächsten Mal weiß man es. Florian Wenzel: Auch ich würde im Vorfeld mehr Zeit einplanen.

Welche Eurer ursprünglichen Zielsetzungen konnten verwirklicht werden?

Miriam Apffelstaedt:Ich finde, die Videos zeigen eigentlich alle eine positive Grundstimmung zur Demokratie. Gut fand ich auch, dass Schüler des bfz München und des bfz Augsburg teilgenommen haben.
Theresa Riechert: Für mich ist der Wettbewerb eine Bestätigung, dass politische Bildung gut mit neuen Medien verbunden werden kann.
Martina Mobley: Ich glaube, das hat gut funktioniert, wir haben unsere Ziele bis auf einige Feinheiten erreicht.
Florian Wenzel: Mit Ausnahme der stärkeren Einbindung der außerschulischen Bildung, finde ich, sind alle Zielsetzungen erreicht worden.

Euer persönliches Fazit ...

Miriam Apffelstaedt: Wann machen wir den nächsten Wettbewerb?
Theresa Riechert: War viel Arbeit „im Hintergrund", aber hat sich gelohnt.
Martina Mobley: Etwas in dieser Art haben wir vorher noch nie gemacht, aus den Erfahrungen lässt sich für Zukünftiges einiges schöpfen. Ein großes Lob an die, die die Hauptarbeit, sei es technische Umsetzung oder Öffentlichkeitsarbeit übernommen haben.
Florian Wenzel
: Ich würde ein einmal jährlich stattfindendes Format daraus machen. Möglicherweise mit wechselnden Themen.

Weitere Informationen zum Thema:

www.60sek.de

Der Videowettbewerb 60 Sekunden für die Demokratie


Preisverleihung des Wettbewerbs 60 Sekunden für die Demokratie

Interviews mit den Gewinnern des Wettbewerbs

 
 
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