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Generationenvertrag
neu gedacht: In den
Mehr-Generationen-Treffpunkten (MGTs) der Stadt Augsburg wird ein
breites Angebote zu Themen wie Zusammenarbeit der Generationen und
Interkulturalität. Wir haben das MGT in Lechhausen besucht, wo
uns ein vielfältiges Programm vorgesetllt wurde, darunter die
Kulturküche, ein Mittagstisch für Schüler, der von
Bürgern mit Migrationshintergrund organisiert wird. Außerdem
haben wir mit der Koordinatorin des Projekts, Frau Christine
Brandmeir, gesprochen, die uns ihre Arbeit und das Augsburger Konzept
von generationsübergreifender Zusammenarbeit näher brachte.
Wie sind Sie zu den MGTs gekommen
und wie lange sind Sie schon dabei?
Ich bin seit 2008 bei der Stadt
Augsburg und seitdem auch für die Mehr-Generationen-Treffpunkte
der Stadt verantwortlich. Ich war vorher bei einem Jugendverband
tätig - auf allen Ebenen: Orts- bis Bundes- und
internationaler Ebene - und hab mich da sehr viel mit
ehrenamtlichen Engagement auseinander gesetzt. Studiert habe ich
Sozialpädagogik.
Welche
Erfahrungen haben Sie inzwischen mit der Einrichtung MGT gesammelt,
wie läuft es?
Insgesamt ist das Programm die
Augsburger Version des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser.
Dieses Aktionsprogramm hat Bundesministerin Ursula von der Leyen -
jetzt Arbeitsministerin, damals Familienministerin - ins Leben
gerufen und in Augsburg hat man sich entschieden 12 Treffpunkte zu
machen statt ein Haus. Das war eine sehr gute Entscheidung, weil es
für eine Großstadt wie Augsburg mehr Sinn macht in jedem
Stadtteil einen Anlaufpunkt zu haben, wo es darum geht einfach andere
Menschen kennen zu lernen, bei Hilfebedarf auch fragen zu können
„Wo kann ich mich hinwenden?" wenn ich z.B demenzerkrankte Eltern
habe oder ich nicht weiß wo ich mein Kind in den Ferien
unterbringen kann, weil ich arbeiten muss. Es ist aber auch
gleichzeitig ein Ort, wo Menschen für ihren Stadtteil aktiviert
werden, wo sie sich einbringen können und wo bürgerschaftliches
Engagemant ein ganz großer Schwerpunkt ist. 2007 ist das
Programm gestartet und jetzt 2010 ist der letzte Stadtteil im
Bärenkeller mit einem MGT eröffnet worden und seitdem sind
die 12 am Start. Sie sind natürlich ganz unterschiedlich, weil
die Stadtteile auch ganz unterschiedlich sind. In einem Stadtteil wo
viele Menschen mit Migrationshintergrund wohnen ist das Thema eher
„Wie lerne Ich deutsch" also Deutschkurse und mehrsprachige
Erziehung von Kindern. Themen in einem Stadtteil, wo eher ältere
Menschen wohnen, sind dann Betreuungsgruppen für
Demenzerkrankte, oder so etwas. Es ist ganz spannend, es hängt
natürlich vom Stadtteil ab und natürlich auch vom Träger
und den Personen, die es machen. Daher sind die Treffpunkte sehr
unterschiedlich. Wir versuchen auch immer gemeinsame
Aktionen zu
machen, z.B. dieses Jahr im September hatten wir einen Tag der
Generationen. Am Vormittag war ein Symposium zum Thema
Altersforschung, wie wird sich altern entwickeln und am Nachmittag
haben wir Werkstätten der Generationen in den Stadtteilen
gemacht, wo Menschen, die etwas können sich einbringen und
andere, die etwas lernen wollen, davon profitieren.
Was gibt es für Konzepte, bei
denen die Generationen miteinander arbeiten?
Die Idee ist nicht nur zu sagen „wir
machen generationsübergreifende Angebote", es gibt auch
Angebote für die einzelnen Lebensalter. Was so der Klassiker
ist, ist der Handykurs, also jugendliche bringen Senioren bei wie man
ein Handy bedient oder wie man sich im Internet bewegt, oder wie ich
mit Computern umgehe. Es geht auch anders herum. Wir haben einen
Handykurs in der Firnhaberau gehabt, daraus enstanden ist dann, dass
die ältern Menschen als Dankeschön den Jugendlichen Kuchen
gebacken haben, beim Schulfest, die dann wiederum gesagt haben, sie
würden gern nähen lernen und jetzt ist ein Nähkurs
gelaufen, von älteren Menschen für jüngere. Es gibt
auch die Erzählwerkstatt, wo ältere Menschen über
früher erzählen und die Jüngeren zuhören, z.B.
zum Thema Landwirschaft. Auch im Ferienprogramm gibt es Angebote,
z.B. dass Ältere, die Radl reparieren können, das dann mit
Kindern zusammen machen.
Ein anderer
Aspekt ist noch, dass die MGTs nicht nur generationsübergreifend
sind, sondern auch interkulturell. Wie ist das entstanden?
Wir sind ja als MGT teil vom Bündnis
für Augsburg, das ist im Prinzip eine Plattform, mit der
Haltung: „Wir wollen Lebensqualität in Augsburg erhalten",
d.h. dass wir uns einfach engagieren füreinander. Die
Stadtteilmütter sind z.B. auch ein Bündnisprojekt, von
daher ergibt es sich, dass man was zusammen macht. Die
Stadtteilmütter sind teilweise auch in den MGT vor Ort tätig
weil sie Räume brauchen, um ihre Kurse zu machen. Mit der
Kulturküche hat sich eine Zusammenarbeit ergeben, weil sie im
MGT in Oberhausen schon waren und gesagt haben sie übernehmen
für manch andere Stadtteile auch noch einen Mittagstisch und
organisieren den - mit der Idee auch die Bevölkerung vor Ort
einzubinden, interkulturell.
Was haben Sie für eine
Perspektive bezüglich der MGTs? Haben Sie schon Ideen für
neue Projekte?
Wir sind jetzt gerade daran ein System
zu erarbeiten mit einem Politikberatungsunternehmen. Wir arbeiten an
einem Bench-Marking, wo Ziele neu definiert werden... von daher, wir
haben viele Ideen, wir wollen aber einfach schauen: Was ist in den
letzten Jahren passiert, wo ist vielleciht auch noch der Bedarf, wo
sollte man genauer hinsehen? Es ist noch nicht sehr konkret, aber wir
wollen jetzt im Rückblick auf die drei Jahre, die es jetzt
gelaufen ist, schauen, wie geht es denn weiter. Ganz sicher ist: Wir
wollen, dass die 12 MGT weiterhin arbeiten und noch mehr
Institutionen in den Stadtteilen einbinden, noch mehr Institutionen
auch dazu motivieren generationsübergreifend zu arbeiten.
Insgesamt viel viel viel mehr bürgerschaftlich Engagierte in
Augsburg aktivieren, die sich in ihren Stadtteil einbringen. Ein
Schwerpunkt ist auch die Senioren stärker einzubinden, weil
Augsburg nach dem Freiwilligen-Survey im Vergleich zu anderen
deutschen Städten relativ wenig engagierte Senioren hat. Es gibt
noch einiges zu tun.
Zum Abschluss noch ein kleines Fazit
über Ihre dreijährige Arbeit.
Es ist ein sehr spannendes
Tätigkeitsfeld, weil man einfach mit vielen Menschen zu tun hat,
mit vielen unterschiedlichen Menschen und es jetzt nicht nur darum
geht etwas ab zu arbeiten,sondern auch immer wieder etwas neu
entwickelt wird und ich denke, dass wir schon an Zukunftsthemen
dieser Gesellschaft dran sind. Gerade beim demographischen Wandel, wo
sich die Gesschaftsstrukur sehr verändert, und die MGT eine
Antwort darauf geben. Wir müssen einfach darauf achten, dass wir
mehr auch miteinander machen und denken und füreinander denken
und uns nicht mehr auf den Staat verlassen, denn der wird es nicht
mehr leisten können, private Wirtschaft ist da auch nicht sehr
aktiv. Und es braucht einfach dieses Miteinander der Generationen
zukünftig, anders als vielleicht bisher.
Frau Brandmeir, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Petra Schmidt.
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